Verheißungsvolle Versprechen

Beim Rathaussturm der Zülpicher Möhnen war Bürgermeister einmal mehr ohne Chance

Zülpich (tor). "Die Möhnen rotten sich zusammen", stellt Bürgermeister Albert Bergmann um kurz vor elf mit bangem Blick vom Rathausbalkon fest. Zu diesem Zeitpunkt war der erste Bürger von Zülpich noch fest entschlossen, den Stadtschlüssel keinesfalls herzugeben. Gut zehn Minuten später stand bereits eine Handvoll Möhnen auf dem Balkon - sehr zur Verwunderung von Bergmann: "Wie sitt ihr dann he erop jekumme?", fragte der Stadtchef irritiert.

Unten vor dem Rathaus hatten sich derweil die übrigen Möhnen versammelt und forderten Bergmann zur Herausgabe des Stadtschlüssels auf. "Ich han kenne Schlüssel", log der Bürgermeister ohne rot zu werden. Doch er hatte nicht mit der Raffinesse der Möhnen gerechnet. Diese lockten ihn zunächst mit einem opulenten Präsentkorb, "damit er nicht verhungert". Der Korb enthielt neben Eifeler Köstlichkeiten aber auch lauter Dinge, "die schön mache und joot rüche". Etwa ein Massageöl, damit Bergmann den Menschen mehr Geld aus den Rippen pressen kann. Für den als Käse verkleideten Beigeordneten Ulf Hürtgen enthielt der Korb eine Zitronendusche, denn "der stinkt bestimmt nach Käse". Und für das Landesgartenschau-Maskottchen "Tolbienchen" gab es Minze gegen die Schweißfüße.

Schon mit diesen guten Gaben trieben die Möhnen Bergmann an den Rand der Kapitulation. Den Rest gab Marga Müller ihm schließlich mit einem verheißungsvollen Versprechen: "So sehen die Möhnen unter dem Rock aus", rief die Obermöhne aus und schwenkte eine große Tasche vor sich her, auf der zwei "leckere" nackte Frauenbeine zu sehen waren. "Jetzt hadder mich so anjemaat, da kann ich nit widerstonn", verkündete Albert Bergmann und rückte brav den Stadtschlüssel heraus. Momente später enterten auch die übrigen Möhnen das bürgermeisterliche Büro und tranken mit dem einmal mehr unterlegenen Verwaltungschef ein Friedensschnäpschen.

Im und vor dem Rathaus wurde derweil kräftig weitergefeiert. Im weiteren Verlauf kamen sämtliche Tollitäten der Römerstadt zu einer Stippvisite in die "Hauptstadt". Dort hatte die Prinzengarde für kalte und warme Getränke und eine leckere Erbsensuppe gesorgt. Kein Wunder, dass trotz des usseligen Wetters zahlreiche Jecken zum Marktplatz gekommen waren.

Letzte Änderung: Montag, 20.02.2012 18:57 Uhr

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