Zülpich (tor). Wenn im Autohaus Gotzen der "Närrische Pitter" vergeben wird, dann brandet stets lauter Beifall auf. Denn mit diesem Orden wird alljährlich eine Person ausgezeichnet, die besondere Verdienste für den Zülpicher Karneval erworben hat - und das ohne dabei im Vordergrund zu stehen. Als Bürgermeister Albert Bergmann vorigen Freitag den diesjährigen Ordensträger verkündete, waren Jubel und und stehende Ovationen so laut und so lang anhaltend wie noch nie.
Die diesjährige Verleihung sei eine ganz besondere, verkündete Bergmann in seiner Laudatio. Bislang seien ausnahmslos Männer mit dem "Närrischen Pitter" ausgezeichnet worden, seit diese in den 1980er Jahren von dem Zülpicher Kabarettisten Abi von Haase ins Leben gerufene Auszeichnung von Reinhard Gotzen im Jahr 2009 wiederbelebt wurde. Tatsächlich hatten sich die Präsidenten der römerstädtischen Karnevalsgesellschaften bislang stets auf männliche Ordensträger geeinigt. Mit dem Verdienstorden wurden bisher Ebi Opgenorth (2007), der Zülpicher Ehrenbürgermeister Josef C. Rhiem (2008), Peter Schneiders (2009), Paul-Dieter Grimm (2010) und im vorigen Jahr Johannes Booch dekoriert.
"Diesmal trifft es eine Frau", sagte Bergmann. Doch diese Frau werde nicht alleine geehrt, sondern gemeinsam mit ihrem Sohn. "Und genau genommen", so Bergmann weiter, "stimmt aber auch das noch nicht so ganz, denn eigentlich ehren wir heute Abend eine Institution." Diese Institution ist die Gaststätte Wallraff in Zülpich-Hoven, "die sich seit Jahrzehnten durch eine außergewöhnliche Gastfreundschaft auszeichnet, die viele Zülpicher, ganz besonders aber die Karnevalsvereine immer wieder genießen dürfen."
Traditionell erhält der frisch proklamierte Prinz in der Gaststätte Wallraff von den ehemaligen Prinzen seine Standarte. Dabei lässt Christel Wallraff es sich nicht nehmen, die Prinzen mit einem schmackhaften Mahl zu verwöhnen. Ihre Freude über den jährlichen Besuch der Prinzen drückte sie einmal mit dem Satz aus: "Wenn die Prinze kumme, dat is esu schön, ich könnt se all knutsche!"
Auch beim traditionellen Gaststättenbesuch der Karnevalisten und des jeweiligen Prinzen muss niemand hungrig nach Hause gehen. Und für seine Tollität gibt es stets auch noch ein Geldgeschenk und von Raimund Wallraff, der im Hauptberuf Bäcker ist, eine liebevoll gestalteten, ganz persönlichen Kuchen. Auch der Frühschoppen am Karnevalsdienstag hat bei Wallraffs Tradition. "Wie selbstverständlich gehen die Karnevalisten bei ihrer Ankunft durch die Gaststätte hindurch direkt in das Wohnzimmer der Familie Wallraff, um dort ihre Uniformen und Instrumente abzulegen", wusste Albert Bergmann zu berichten und brachte es schließlich auf den Punkt: "Bei Wallraffs fühlt man sich einfach wohl!"
Christel und Raimund Wallraff nahmen die besondere Auszeichnung stolz und dankbar entgegen. "Ich kann mich nur bedanken für die Treue, die ihr uns seit vielen Jahren entgegenbringt", so Raimund Wallraff. "Die zwei haben es von Herzen verdient", sagte Prinz Achim I. (Hoch). "Ohne die Gaststätte Wallraff ist der Zülpicher Karneval undenkbar."
Vor, während und nach der Ordensverleihung wurde im Autohaus Gotzen noch kräftig gefeiert - so wie es seit vielen Jahren üblich ist. Die zahlreich erschienenen Karnevalisten und die vielen Ehrengäste kamen in den Genuss eines unterhaltsamen Programms unter anderem mit Auftritten der "Fauth Dance Company", der Gruppen "Kölsche Adler" und "De Filue", dem "Dellbröcker Boore Schnäuzer-Ballett" sowie der Gruppe "De Bajaasch", die erst nach mehreren Zugaben "entlassen" wurden. Und für "jet zo süffele un zu müffele" hatten Gastgeber und Ordensstifter Reinhard Gotzen und sein Team natürlich auch diesmal wieder bestens gesorgt.





