Euskirchen (tor). "Ich freue mich, dass einer wenigen erhaltenen Türme der Stadtmauer damit auch weiterhin für die Öffentlichkeit zugänglich ist", sagte Bürgermeister Dr. Uwe Friedl, als er am Donnerstag "seinem" Standesamt in den neuen Räumen einen Besuch abstattete. Denn das Standesamt ist in der vergangenen Woche mit der kompletten fünfköpfigen Belegschaft und sämtlichen Akten von der Stadtverwaltung ins Haus Bibo auf der Kirchstraße umgezogen.
Bis Ende 2010 war das Stadtmuseum im Haus Bibo und dem angrenzenden Dicken Turm untergebracht. Aus Brandschutzgründen musste das Museum jedoch seinerzeit geschlossen werden. Gleichzeitig wurde jedoch der Beschluss gefasst, dass das Standesamt das historische Gebäudeensemble nach einem umfassenden Umbau beziehen sollte. Rund 120 000 Euro musste die Stadt Euskirchen in diese Maßnahme investieren, um sämtliche Brandschutzauflagen zu erfüllen. Unter anderem wurde entlang der Stadtmauer über eine Stahltreppe ein zweiter Rettungsweg aus dem Dicken Turm geschaffen.
Keine leichte Aufgabe, wenn man bedenkt, dass bei der Umbaumaßnahme auch die strengen Denkmalschutz-Auflagen beachtet werden musste. "Unser Zentrales Immobilienmanagement hat wirklich hervorragende Arbeit geleistet", konnte Bürgermeister Friedl nun jedoch zufrieden feststellen. In der Tat wurde der Charme des geschichtsträchtigen Gemäuers erhalten und dennoch erfüllt es nun die Auflagen, die heutzutage an ein öffentliches Gebäude gestellt werden. Dazu zählt auch die Barrierefreiheit, die unter anderem durch die Installation eines Schwenkliftes am seitlichen Hautpeingang des Hauses Bibo nunmehr gewährleistet wird.
Für Standesamtsleiter Frank Michalski und seine Mitarbeiterinnen Birgit Henn, Iris Wichterich, Hildegard Poensgen und Andrea Leuschner war der Umzug vor allem eine logistische Herausforderung. Sie mussten nicht nur dafür sorgen, dass die 250 Kartons voller Heiratsakten, Geburtenbücher, Eheregister und Gesetzestexte und natürlich das komplette Mobiliar in die neuen Räume gebracht werden, sondern "nebenbei" auch noch den Betrieb aufrecht erhalten. Tatsächlich ging der Umzug bei laufendem Betrieb über die Bühne. Lediglich an einem Tag war das Standesamt komplett geschlossen.
Ab sofort werden sämtliche Leistungen des Standesamtes am neuen Standort angeboten. Derzeit beurkundet das Standesamt Euskirchen jährlich rund 700 Sterbefälle und etwa 680 Geburten. Außerdem ist es für die Fortführung der Personenstandsregister zuständig, was nichts anderes bedeutet, dass die Standesbeamten für die Eintragung etwa von Namensänderungen oder Todesfällen in die Register zuständig sind. Auch Erklärungen zur Namensführung und Vaterschaftsanerkennungen gehören zum Aufgabenfeld.
Und natürlich die Eheschließungen, von denen in Euskirchen pro Jahr etwa 270 vorgenommen werden. Diese finden künftig allesamt im besonderen Ambiente des Dicken Turms statt. Bislang konnte der Gewölbesaal im Obergeschoss des Turmes mit seinem großen, wappenverzierten Kamin lediglich an einem Freitag und einem Samstag im Monat für Trauzeremonien genutzt werden. Sobald der Kirchenschatz an die katholische Kirche weitergegeben werden kann, kann auch die bisherige Schatzkammer im Erdgeschoss des Dicken Turms als weiterer und vor allem barrierefreier Trauraum verwendet werden.
Frank Michalski und seine Mitarbeiterinnen fühlen sich
schon nach wenigen Tagen wohl im neuen Standesamt. "Ich finde,
es ist sehr gut gelungen und glaube, dass es auch von der
Bevölkerung gut angenommen wird", sagt Michalski. Nur an
eine Sache muss er sich noch gewöhnen: "Das viele
Treppensteigen macht mir nur im Moment noch Mühe!"






