Kreis Euskirchen (tor). Landrat Günter Rosenke musste am Donnerstagabend eine ganze Menge Hände schütteln. Eine Stunde dauerte das traditionelle Defilee zum Auftakt des Neujahrsempfanges des Kreises Euskirchen. Rund 350 Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Kultur, Verwaltung, Sport und Medien waren der landrätlichen Einladung gefolgt und waren ins Kreishaus gekommen - und natürlich würden sie alle persönlich von Günter Rosenke und seiner Gattin Karin begrüßt.
Musikalisch auf den Abend eingestimmt wurden die Gäste von der Gruppe "Snowbird", die unter anderem den Beatles-Evergreen "Yesterday" zum Besten gab. Ein passender Titel, denn Landrat Rosenke warf in diesem Jahr einen Blick weit zurück in die Vergangenheit - und zwar auf das Jahr 1972, dem Jahr der Gründung des Kreises Euskirchen in seiner jetzigen Form. Die mit der kommunalen Neugliederung einher gegangene Angliederung des Kreises Schleiden an den Kreis Euskirchen war insbesondere von den Menschen aus dem Südkreis eher zähneknirschend akzeptiert worden. Das ist teilweise auch heute noch so. Nicht zuletzt deshalb nennt Rosenke die Bevölkerung im Kreis Euskirchen eine alles andere als homogene Gruppe. "Dies fängt schon mit der sauberen Unterscheidung zwischen Ureifelern und Voreifelern an", sagte der erste Bürger des Kreises.
Nichtsdestotrotz leben mittlerweile Menschen aus 136 verschiedenen Staaten zwischen Weilerswist und Losheimergraben. Diese Tatsache beweise, so Rosenke, dass sich Menschen jedweder Herkunft, Religion oder Staatsangehörigkeit hier - so wie es der Kreisslogan suggeriert - "einfach wohlfühlen" können.
Damit dies auch in Zukunft so bleibt, sei auch weiterhin Ärmel aufkrempeln angesagt. "Zum Beispiel muss uns gegenwärtig noch mehr daran gelegen sein, mit dafür Sorge zu tragen dass es für alle Familien möglich wird, sich Kinder zu leisten. Sei es durch staatliche oder betriebliche Unterstützung."
Dass sich die Menschen im Kreis Euskirchen wohlfühlen, sei vor allem unter Berücksichtigung der demografischen Entwicklung und des Fachkräftemangels von Bedeutung, der sich insbesondere in ländlichen Regionen bemerkbar mache und in Zukunft noch deutlicher bemerkbarer machen werde. "Wir müssen es hinbekommen, dass es auch weiterhin Menschen außerhalb unserer Region, außerhalb unseres Landes in unseren Kreis zieht", sagte Günter Rosenke. Hierzu bedürfe es neben wirtschaftlichen und logistischen Anreizen auch einer entschiedenen Position gegen rechtsradikale Tendenzen im Kreis.
In seiner rund 45-minütigen Rede erteilte Rosenke jenen Menschen eine Absage, die sich zuletzt öffentlich Gedanken über die künftige Struktur der kommunalen Verwaltungseinheiten gemacht und eine Auflösung des Kreises angeregt hatten. "Die Existenz der Kreise ist vom Schutz der Verfassungsnorm umfasst und damit gesichert", sagte der Landrat am Ende. "Gerade in ländlich strukturierten Regionen wie dem Euskirchener Land mit den verhältnismäßig kleinen Städten und den unzähligen Dörfern ist eine Instanz wie der Kreis aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten alternativlos."
Man könne ruhig sagen: "40 Jahre Kreis Euskirchen - Ein Erfolgsmodell!", so Rosenke am Ende seiner Neujahrsansprache. "Ich bin überzeugt, dass auch beim 50. Geburtstag des Kreises meine Nachfolger genau diese Aussage wieder treffen werden!"






