Förderschüler fordern Fußballprofi

Bundesligaspieler Hanno Balitsch von Bayer Leverkusen besucht als "Einfach Fußball"-Schirmherr die Eifel

Kreis Euskirchen/Kall/Enzen (bp). Hanno Balitsch hat in seiner Rolle als Schirmherr die "Einfach Fußball"-Mannschaf­ten des SC Enzen-Dür­scheven und des Kaller SC besucht und das erste gemeinsame Trai­ning beider Teams geleitet. Nach der Begrüßung der rund 30 anwesenden Förderschülerinnen und -schüler übergab der Fußballprofi von Bayer 04 Leverkusen die zur Initiative gehörenden Trikot­sets und ließ anschließend Wor­ten Ta­ten folgen. Gemeinsam mit den etatmäßigen Trai­nern Jürgen Hahn und Werner Müller übernahm Balitsch die Übungseinheit der beiden Teams.

"In allererster Linie verbindet mich mit den Kids der Spaß und die totale Leidenschaft für den Fußball. Da sind wir alle gleich. Vielleicht haben die Mädchen und Jungen mit Behinderung ihren Altersgenossen in punkto Begeisterungsfähigkeit sogar noch etwas voraus. Das merke ich, wenn ich mir die Begeisterungsstürme nach der ein oder anderen gelungenen Aktion anschaue. Umso wichtiger finde ich es, dass die Kinder die Chance bekommen, im Fußballverein vor Ort zu trainieren und somit spielend integriert werden", sagte der ehemalige Kapitän der U21-Nationalmannschaft.

In ihrem wissenschaftlich begleiteten Pilotprogramm "Einfach Fußball" initiieren und unterstützen die Bayer AG und die Sepp-Herberger-Stiftung des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) Partnerschaften von Förderschulen mit Fußballvereinen. Ziel der Initiative ist es, mehr Mädchen und Jungen mit geistiger oder Lernbehinderung den Zugang zum Vereinsfußball und somit in den organisierten Sport zu ermöglichen.

Seit neun Monaten trainieren im Rahmen des Programms auch Schüler der Nikolaus-Schule beim ortsansässigen Kaller SC. Jeden Dienstag nehmen etwa zehn Jugendliche mit geistiger Behinderung an einer von Werner Müller geleiteten Trainingseinheit teil. Knapp 20 Kilometer nordöstlich wird am gleichen Tag ebenfalls "Einfach Fußball" gespielt. In Enzen sind es etwa 20 Kinder - die meisten Förderschüler der Bürvenicher Stephanusschule - die gespannt den Anweisungen von Jürgen Hahn lauschen.

Einen besonderen Wert haben für Trainer Müller die kleinen Fortschritte, die viele seiner Schützlinge nach und nach in ganz unterschiedlicher Hinsicht machen. "Das Leistungslevel ist bei den meisten meiner jungen Akteure eher niedrig. Aber alle entwickeln sich individuell sehr positiv. Aus fußballerischer Sicht, aber auch im Bereich der koordinativen Fähigkeiten oder - und das ist besonders hervorzuheben - im sozialen Umgang miteinander und mit anderen Vereinsmitgliedern. Die Folge ist, dass im gesamten Verein rund um das Programm 'Einfach Fußball' ein toller Teamgeist entstanden ist."

Ähnlich fällt das Fazit bei Professor Matthias Grünke, Inhaber des Lehrstuhls für Konzeption und Evaluation schulischer Förderung im Schwerpunkt Lernen an der Humanwissenschaftlichen Fakultät der Universität Köln und nebenbei Geschäftsführer des SC Enzen Dürscheven, aus: "Bereits in den Vorbereitungsgesprächen zum Start des Pilotprogramms in unserem Verein konnte ich mir vorstellen, dass das Modell von 'Einfach Fußball' erfolgreich funktioniert. Heute spielen rund 20 Mädchen und Jungen in unserer Mannschaft und sind voll ins Vereinsleben integriert", so der Fachmann.

In mittlerweile 13 Vereinen - unter anderem auch beim Bundesligaclub Bayer 04 Leverkusen - wird das Pilotprogramm in Kooperation mit ortsansässigen Förderschulen angeboten. Rund 200 Mädchen und Jungen mit Behinderung spielen Woche für Woche "Einfach Fußball" - Tendenz steigend. Darüber hinaus unterstützen immer einige in den Vereinen spielende Jugendliche die Trainer bei den Übungseinheiten. Denn ein Anliegen der Zusammenarbeit von Verein und Schule ist die Förderung der Sozialkompetenz aller Teilnehmer - sowohl mit als auch ohne Behinderung.
Um Erfahrungen über die Gemeinschaftsarbeit von Förderschule und Verein zu gewinnen und "Einfach Fußball" auf seine nachhaltige Umsetzbarkeit zu prüfen, werden noch bis Ende des Jahres 2011 alle gebildeten Kooperationen vom FIBS e.V. (Forschungsinstitut für Inklusion durch Bewegung und Sport, Deutsche Sporthochschule Köln) begleitet. Im Vordergrund stehen dabei beispielsweise Fragen zur Veränderung der sozialen Kompetenz der Beteiligten oder zu strukturellen Rahmenbedingungen zum Gelingen des Angebots. Am Ende der wissenschaftlichen Projektbegleitung soll ein Leitfaden für die Zusammenarbeit zwischen Verein und Schule entwickelt werden.

Um einen optimalen Trainingsbetrieb zu unterstützen, stellen Bayer und der DFB den Kooperationspartnern ein Trainingsmaterialpaket sowie den teilnehmenden Mädchen und Jungen ein Trikotset zur Verfügung.

Schirmherr von "Einfach Fußball" ist Hanno Balitsch. In dieser Rolle besuchte der ehemalige Kapitän der U21-Nationalmannschaft in Kall - nach Wuppertal, Leverkusen, Dormagen und Wiehl - bereits zum fünften Mal am Programm teilnehmende Teams.

Foto: Bayer AG
Gruppenbild beim ersten gemeinsamen Training: Die "Einfach Fußball"-Spieler, Trainer und Co-Trainer des SC Enzen-Dürscheven und des Kaller SC, gemeinsam mit Schirmherr Hanno Balitsch.
Letzte Änderung: Montag, 12.12.2011 09:00 Uhr

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