Größter Solarpark Nordrhein-Westfalens eröffnet

Euskirchener Firma hat die Anlage auf dem Gelände einer ehemaligen Mülldeponie in Inden errichtet

Kreis Euskirchen/Inden/Region (epa). Der größte Solarpark in Nordrhein-Westfalen wurde am Nikolaustag offiziell eröffnet: In Inden bei Düren sollen künftig 16.236 Solarmodule auf gut 100.000 Quadratmetern Freifläche rund 3,5 Millionen Kilowattstunden Strom pro Jahr liefern. Damit wird die bislang leistungsstärkste Freiland-Photovoltaikanlage in Mechernich-Kalenberg auf den zweiten Platz verwiesen.

Georg Schmiedel, Geschäftsführer des Euskirchener Generalunternehmers "F&S solar concept", übergab als "Schlüssel" zum Solarpark Inden ein iPad an Dirk Hürtgen, Geschäftsführer des Betreibers RurEnergie GmbH. Schmiedel: "Damit können Sie von jedem Ort der Welt mit Internetzugang die aktuellen Daten der Photovoltaikanlage abrufen!"

Diese Daten können sich auch an einem trüben Wintertag wie dem 6. Dezember sehen lassen, wie Schmiedel bei der Feierstunde in der Kreissparkasse Jülich zeigte: "1200 Kilowatt hat die Anlage heute in der Tagesspitze erzeugt, das heißt, dass 1200 große Baustrahler mit 1000 Watt Leistung gleichzeitig mit dem sauberen Solarstrom hätten zum Leuchten gebracht werden können."

Rund 1000 Haushalte können rechnerisch mit der Photovoltaikanlage mit Ökostrom versorgt werden. Über 2400 Tonnen des Treibhausgases Kohlendioxid werden damit gegenüber herkömmlicher Energieerzeugung pro Jahr eingespart.

Entstanden ist das riesige Solarkraftwerk auf einer ehemaligen Mülldeponie in unmittelbarer Nähe zum Braunkohlenkraftwerk Weisweiler, wo es quasi inmitten einer durch den Tagebau zerstörten Landschaft zu einem Symbol für die friedliche und saubere Energieerzeugung nach der Energiewende geworden ist. Es ist das erste Projekt der frisch gegründeten RurEnergie GmbH, deren Gesellschafter die Beteiligungsgesellschaft des Kreises Düren, die Stadtwerke Düren und die S-Beteiligungsgesellschaft der Sparkasse mbH sind.

Udo Zimmermann, Vorstandsmitglied der Sparkasse Düren, berichtete über das Finanzierungskonzept des Zehn-Millionen-Euro-Projektes: "Wichtig war uns auch die Möglichkeit der Bürgerbeteiligung: "Dazu haben wir Anteilsscheine á 1000 Euro ausgegeben, die sehr schnell vergriffen waren: 700 Kunden haben gezeichnet." Verzinst werde mit fünf Prozent Rendite. Er sei überzeugt, dass ein Kreditinstitut nur dann Zukunft habe, wenn es sich nicht nur ökonomisch, sondern auch sozial und ökologisch ausrichte.

Ökologisch korrekt hat der Euskirchener Solarspezialist "F&S solar concept" auch beim Bau des Sonnenkraftwerks gehandelt: Es wurden nicht nur recycelbare und schwermetallfreie Module verbaut, sondern man nahm auch auf zwei auf dem Gelände brütende Schwarzkehlchen-Pärchen Rücksicht. Und das trotz steigenden Zeitdrucks, wie Georg Schmiedel sagte: "Wir wollten die Schwarzkehlchen in Ruhe zu Ende brüten lassen. Was wir zu diesem Zeitpunkt aber nicht wussten: Bei Schwarzkehlchen gibt es auch eine zweite und dritte Brut - die galt es ebenfalls abzuwarten."

Nach Ende der Brutzeit schickten die "F&S"-Geschäftsführer Georg Schmiedel und Jörg Frühauf gleich 100 Monteure nach Inden, die das derzeit größte Sonnenkraftwerk in NRW in nur acht Wochen errichteten - eine beachtliche Leistung, wie Rur-Energie-Geschäftsführer Dirk Hürtgen lobte. Auch der Untergrund stellte spezielle Anforderungen, wie Schmiedel sagte: "Mittlerweile sind wir Spezialisten für Photovoltaikanlagen auf ehemaligen Mülldeponien: Die Pfähle für die Module wurden nicht gerammt, sondern mit speziellen Schraubankern befestigt. Ansonsten hätten sie sich durch den Wind losrütteln können."

Über die Dringlichkeit, in Projekte wie Sonnenenergie zu investieren, referierte bei der Eröffnungsfeier Professor Dr. Henning Herzog von der Steinbeis-Hochschule Berlin. Er berichtete über die aktuellen Ergebnisse der Klimaforscher: In den kommenden 50 bis 100 Jahren würden ganze Landstriche durch den ansteigenden Meeresspiegel ebenso versinken wie zahlreiche Großstädte wie etwa New York; die Dürre in trockenen Zonen werde sich weiter ausbreiten, während andere Gegenden vermehrt von Überschwemmungen heimgesucht würden. "Wenn die durchschnittliche Lufttemperatur nur um ein Grad steigt, verdoppelt sich die Zahl der als verwüstend eingestuften Wirbelstürme der Kategorie 5", so Herzog.

Dem Solarpark Inden attestierte er Vorbildcharakter und sah gleichzeitig weitere große wirtschaftliche Möglichkeiten durch die Energiewende. Das konnte Heinrich Klocke, Geschäftsführer der Stadtwerke Düren, nur bestätigen: "Wenn kommunale Unternehmen und Energieversorger zusammenarbeiten, bietet das eine große Chance für alle!"

Mit den sonnigen Aussichten des Solarparks Inden will es die RurEnergie aber nicht bewenden lassen, wie Klocke betonte: "Wir sind mit »F&S« und anderen auf der Suche nach weiteren Möglichkeiten und wollen im kommenden Jahr auch unser erstes Windkraftprojekt angehen!"

Durch die Rekordzeit des Baus angespornt, plant Georg Schmiedel ein standardisiertes Konzept für Freiland-Photovoltaikanlagen: "Als Baustein nehmen wir eine Anlage mit einem Megawatt Leistung, die eines unserer Teams in zwei Wochen schlüsselfertig erstellen kann. Eine Anlage von fünf Megawatt Größe könnten wir dann in zehn Wochen errichten."

Foto: TGE/Eifeler Presse Agentur
In direkter Nachbarschaft des sauberen Sonnenstrom-Kraftwerks wird aus Braunkohle Strom erzeugt.
Letzte Änderung: Donnerstag, 08.12.2011 12:53 Uhr

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