Zülpich-Füssenich (pd). So einen Gast hat man auch nicht alle Tage im Kreisverband der Pferdesportler in Euskirchen. Die vierfache Olympiasiegerin und mehrfache Welt-, Europa- und Deutsche Meisterin in der Dressur, Nicole Uphoff-Selke, war jetzt auf Einladung der Zülpicher Firma "Union Mischfutter" unter der Leitung von Geschäftsführer Michael Heiliger in der Gaststätte Bonn in Füssenich zu Gast und ließ bei einem mitreißenden Vortrag ihre Reitsportkarriere und ihren unerreichten Erfolgen im Dressursport Revue passieren.
Begonnen hatte die Karriere der heute 44 Jahre alten Duisburgerin wie fast bei jedem Mädchen auf dem Schaukelpferd im elterlichen Wohnzimmer. Aber schnell wurde das hölzerne Spielzeug in einen echten Vierbeiner aus Fleisch und Blut eingetauscht. Im Vortrag "Traumkarriere im Sattel", den sich rund 130 Zuhörer im Saal der Gaststätte nicht entgehen lassen wollte, ließ Nicole Uphoff-Selke keinen Zweifel daran, dass sie zu jedem ihrer Pferde ein inniges Verhältnis aufbaute und das von frühester Jugend an tat.
Nach dem Abitur, dass sie laut ihrer Mutter "auf dem Strohballen im Pferdestall gemacht hatte", ging es langsam mit der großen Karriere los. Auch wenn der erste Auftritt nicht ganz so überzeugend war: "1987, bei meinem ersten Grand Prix, den ich geritten bin, wurde ich Letzte." Doch die Karriere ging schnell bergauf. Noch im selben Jahr wurde sie auf dem damals noch jungen brauen Westfalen-Wallach "Rembrandt" Europameisterin bei den Jungen Reitern.
Nur ein paar Monate später gelang dann der endgültige Durchbruch an die Weltspitze, als das Duo Uphoff und Rembrandt in Lausanne der erste Sieg in einem Grand Prix Special feierte. Ein Erfolg auch über die seinerzeit amtierende Weltmeisterin Christine Stückelberger.
Viele kleine Anekdoten gab Uphoff in Füssenich zum Besten. Auch solche die während ihrer Karriere nie in die Presse gelangten. Beispielsweise 1988 bei den Olympischen Spielen in Seoul wollte sie nach einem Streit mit den Offiziellen der deutschen Equipe wegen ihrer Trainingsmethoden das Turnier vor dem ersten offiziellen Start verlassen und nach Hause reisen. Erst als Dr. Reiner Klimke, der ehemalige Weltklasse-Dressurreiter und damalige Teamkollege, die Vaterrolle der noch nicht angereisten Eltern übernahm, lenkt sie ein, blieb und wurde Doppelolympiasiegerin.
Vom Ritt zur Goldmedaille 1992 in Barcelona fehlt ihr ein Teil: "Es war damals so heiß, dass ich dachte, ich falle während der Prüfung vom Pferd. Rembrandt hat im Grand Prix Special die Hälfte der Prüfung alleine gemacht. Es war wie im Traum."
Noch viele kleine Storys verriet die außergewöhnliche Amazone dem gespannten Publikum. Auch dass selbst ihr "Traumpartner" Rembrandt in dieser Zeit Fanpost mit Leckereien erhalten habe.
Mit 40 Jahren beendete Uphoff ihre grandiose Karriere und ist seitdem mit ganzem Herzen Mutter, Ehefrau, Trainerin und Beraterin. Seit einem Jahr hat sie sich zusammen mit ihrem Ehemann Andreas Selke voll und ganz der Jugendförderung verschreiben und organisiert erfolgreich den "Star-Equipe-Jugend-Cup".
Nach dem Vortrag wurde die ehemalige Weltklassereiterin noch durch viele Frage den Zuhörer gelöchert, die sie alle mit großer Gelassenheit beantwortet.
Beim zweiten Teil des Vortragsabends übermittelte Isabell Frey aus Hofheim, Geschäftsführerin der Firma Eohippos, Tierheilpraktikerin und Leiterin eines Reha-Zentrum in Hofheim, zum Thema "Grundlagen der Anatomie und Physiologie des Verdauungssystems des Pferdes" viel Fachwissen an die Zuhörer.




