Bad Münstereifel (bez). Schon seit mehreren Jahrzehnten engagiert sich der Sachausschuss Mission des Pfarrgemeinderates aus dem Seelsorgebereich Bad Münstereifel in Indien für das Kinderheim und die Handwerkerschule der Jesuiten und für das Kinderhaus "Amare" in Brasilien. Kürzlich hat Johannes Skorzak die Region Bad Münstereifel besucht, um sein Projekt und die Interessen des Kinderhauses "Amare" vorzustellen, dessen Leiter er seit nunmehr 20 Jahren ist.
Zwischen dem Theologen Johannes Skorzak und Pfarrvikar Ludwig Pützkaul besteht seit über 30 Jahren ein enger Kontakt, denn beide kennen sich aus gemeinsamen Studienzeiten in Bonn und Köln. Auch als Johannes Skorzak als Theologe nach Südamerika, genauer gesagt nach Brasilien ging, brach der Kontakt nicht ab.
In Esperantina, im Nordosten des Landes gelegen, erlebte der 55-Jährige hautnah das Elend unter der jungen Bevölkerung. "Ich hatte die Idee zur Gründung eines Kinderheimes als ich sah, dass auf den Straßen zahlreiche Banden von Kindern tagtäglich um ihr Überleben kämpfen mussten", berichtet der gebürtige Siegburger. Dank der Mithilfe einiger junger Mitstreiter gründete Skorzak den "Verein zur Wohlfahrt bedürftiger Minderjähriger" in den Elendsvierteln, den so genannten Favelas, von Esperantina. Die Kirche im Erzbistum Köln und das Aachener Kindermissionswerk unterstützen das soziale Engagement. Weiterhin helfen einzelne deutsche Pfarreien und auch der Verein "Freundeskreis Amare" in Siegburg.
Im Kinderhaus "Amare" bemühen sich die Erzieher um die soziale Eingliederung von 450 Kindern und Jugendlichen, damit diese später als Erwachsene die Möglichkeit haben, ohne kriminelle Handlungen ihr Leben menschenwürdig zu gestalten. Bei seinem Besuch in der Heimat informierte Johannes Skorzak jetzt über die Einzelheiten: "Morgens werden die Kinder mit Bussen aus mehreren Slums ins unser Haus gefahren und erhalten dort täglich warmes Essen und Kleidung. Es wird großen Wert darauf gelegt, dass die Jugendlichen regelmäßig die Schule besuchen, damit sie die Chance bekommen, einen Beruf zu erlernen und später auf eigenen Füßen zu stehen."
Auch die Freizeitaktivitäten kommen dabei nicht zu kurz. So stehen Musik- und Sportangebote hoch im Kurs. Darüber hinaus werden berufsvorbereitende Kurse angeboten. "Die Schulerfolge der Kinder, die im Haus 'Amare' betreut werden, sind viel besser als der Landesdurchschnitt", freut sich Johannes Skorzak.
Aber im Kinderhaus "Amare" herrscht nicht nur eitel
Freude, denn die finanzielle Situation des Heimes ist durch den
schwachen Eurokurs recht schwierig geworden. Außerdem steigen
die Kosten für Nahrungsmittel ständig und die Löhne
für die Mitarbeiter müssen angeglichen werden.
"Erst im Mai dieses Jahres standen wir wieder vor einer harten
Bewährungsprobe, denn der Staat Piaui hat jegliche
Unterstützung eingestellt, sodass dem Heim die Schließung
drohte", erklärt Skorzak.
Daraufhin ergriffen die Frauen in den Slums die Initiative, setzten sich friedlich auf den Platz vor dem Rathaus und wiesen den Bürgermeister auf die Konsequenzen hin, die bei einer Schließung drohten. "Das hat den obersten Ratsherrn zum Umdenken bewogen. Er setzte ein Finanzabkommen auf, das besagt, dass acht Prozent der Unterhaltskosten von 'Amare' von der Stadt und dem Staat Piaui übernommen werden", berichtet ein erleichterter Heimleiter.
Trotz allem ist die Situation nicht rosig und Spenden sind für das Kinderhaus sehr wichtig, um den Betrieb aufrechtzuerhalten.



