Vernich (tor). "Eine ungewöhnliche Grabung mit spannenden Ergebnissen" hat ein archäologisches Grabungsteam des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR) laut Petra Tutlies, der Leiterin der Außenstelle Nideggen des LVR-Amtes für Bodendenkmalpflege im Rheinland, in den vergangenen Monaten bei Großvernich durchgeführt. Auf einem etwa drei Hektar großen Areal unweit des Flugplatzes der Ultraleichtfluggruppe Nordeifel wurde eine rund 1000 Jahre vor Christus angelegte Siedlung freigelegt, die vermutlich überwiegend als Vorrats- und Lagerplatz diente.
Zur Überraschung des von Petra Tutlies geleiteten Teams fanden sich auf dem Areal neben wenigen Hausgrundrissen "eine ungewöhnliche Häufung" an so genannten Speichergruben". Sie dienten vermutlich zur Lagerung von Getreide und anderen Lebensmitteln oder Waren.
Die günstige Lage im Gebiet zwischen Erft, Eifel, Vorgebirge und Ville lässt Tutlies vermuten, dass es sich um einen speziellen Platz für die Lagerung und Distribution von Vorräten gehandelt haben könnte. Die Mitarbeiter des Grabungsteams sprechen scherzhaft von einer Art Agrargenossenschaft oder Raiffeisenzentrale in der Eisenzeit. "In der vorrömischen Bronze- und Eisenzeit", so Petra Tutlies, "haben offenbar nicht nur landwirtschaftlich geprägte Siedlungen mit mehreren Gehöften bestanden, sondern auch funktional völlig anders ausgerichtete Plätze, die möglicherweise einer größeren Gemeinschaft dienten." Vergleichbare Funde wurden bislang nur bei Weeze am Niederrhein und nahe der Mosel in Luxemburg gemacht.
Die runden, bis zu 1,40 Meter tiefen Gruben haben Durchmesser zwischen 70 und 140 Zentimetern und sind sehr gut erhalten. Sie wurden nach dem Ende der Nutzungszeit mit Abfall verfüllt. Die sich jetzt anschließenden naturwissenschaftlichen Untersuchungen sollen zeigen, was in den Gruben genau gelagert wurde und in welchem Zeitraum dies geschah.
Aus einer dieser Gruben stammt ein großes, ungewöhnlich gut erhaltenes Vorratsgefäß aus Ton von etwa 80 Zentimeter Höhe und einem Bauchdurchmesser von 60 Zentimetern. Es wird derzeit im Bonner Landesmuseum restauriert. Noch wissen die Fachleute des LVR nicht, was das Gefäß einstmals enthielt. Klar hingegen ist, dass die zugehörige Grube eigens für dieses so genannte Dolium ausgehoben worden war. "Dieser Fund ist in dieser Größe und Erhaltung im Rheinland bislang einmalig", sagt Petra Tutlies.
Die Grabungsleiterin ist hellauf begeistert von dem bisherigen Ergebnis der achtmonatigen Grabungen auf dem Areal, das sich im Erweiterungsbereich einer Kiesgrube befindet: "Dadurch werden wir unser Wissen über die Gesellschaft in dieser Zeit erweitern können."





