Vor über 30 Jahren wurde die französische Autobahn von Mulhouse nach Dijon fertig gestellt. Die wilde, gefährliche Hatz über die Landstraßen an Belfort und Besancon vorbei hatte endlich ein Ende. Die erste Tour über die neue Autobahn brachte mich damals in Staunen. Warum bauen die Franzosen denn alle paar Kilometer mitten im Wald so extrem breite Brücken?
Des Rätsels Lösung: Die neue
Autobahn durchschnitt kurz hinter Mulhouse ein riesiges Waldgebiet.
Die Franzosen erkannten früh, dass man die Autofahrer und die
Tierwelt am besten vor Kollisionen und Schäden schützt,
wenn man Wildbrücken einplant und baut. Die Fahrbahn wurde
tiefer ins Erdreich verlegt und die Waldflächen durch extrem
breite, rund auslaufende Brücken verbunden. Und sogar mit
Sträuchern und Bäumen bepflanzt. Seit 25 Jahren wird in
Frankreich keine Autobahn mehr ohne Wildbrücke gebaut. Obwohl
Deutschland extrem waldreich ist, hinken unsere Straßenplaner
dieser guten Idee weit hinterher.
Aber es tut sich was. So wird an der A3 im Königsforst derzeit
je eine Wildbrücke über die Autobahn und die danach
folgende Landstraße zwischen Rath-Heumar und Rösrath
gebaut. Derzeit zeigen die 16 Pfeiler im Mittelstreifen an der A3
und die abgeholzten Flächen neben der Autobahn, wie groß
einmal die Grünbrücke sein wird. Knapp 80 Meter breit
überspannt sie die mit über 80.000 Autos am Tag befahrene
Autobahn. Die Tiere sollen künftig wieder ungehindert zwischen
der Wahner Heide und dem Königsforst, zwei beliebten
Naturschutzgebieten, wechseln können.
Neue Straßen schaffen zwar Verbindungen für Menschen,
für die Tierwelt zerschneiden sie dagegen Lebensräume.
Zudem besteht latent die Gefahr von folgenschweren
Wildunfällen. Laut ADAC ereignen sich bundesweit rund 250.000
Wildunfälle pro Jahr. Vor diesem Hintergrund prüft der
Landesbetrieb Straßenbau NRW inzwischen bei jeder
Straßenplanung, ob ein der Bau von Tierschutz-Hilfen
erforderlich ist. Billig ist das nicht: Die durchschnittlichen
Kosten für eine Grünbrücke summieren sich auf rund
drei Millionen Euro und mehr. Die Baumaßnahme im
Königsforst kostet für beide Brücken sogar
rund acht Millionen Euro.
Empfindliche Tierarten wie etwa Rotwild akzeptieren solche
Brücken nur dann, wenn Menschen möglichst fern bleiben.
Eine gezielte Bepflanzung führt die Tiere zum Bauwerk. Im
Übergang zur Brücke sollen Schutzwände Lärm und
Lichtreflexe abhalten.
Die aufwändigen Maßnahmen sind durchaus gerechtfertigt.
Denn bei Wildunfällen sterben im Straßenverkehr
jährlich rund 50 Menschen und 2.500 werden verletzt. Besonders
die Unfälle mit Wildscheinen sind in den letzten 20 Jahren um
das Zehnfache gestiegen. 220.000 Rehe, Hirsche und Schwarzwild,
also Wildscheine, verenden jährlich bei Unfällen.
Maßnahmen der Jäger wie Warnreflektoren, Duftzaun oder
Regulierung von Wildbeständen an besonders kritischen Stellen
können helfen.
Aber was können Autofahrer dagegen tun? Auf Waldstrecken wie
dem Königsforst, der Wahner Heide, dem Kottenforst oder den
Straßen wie etwa der B56 Richtung Bergisches Land sollte man -
vor allem bei angezeigten Wildwechseln - das Tempo reduzieren,
stets bremsbereit sein und den Fahrbahnrand im Auge zu behalten.
Rehe schauen in die Scheinwerfer und ihre Augen leuchten dann.
Durch Abblenden der Scheinwerfer haben Tiere eher
Fluchtmöglichkeiten, eine starke Lichtquelle irritiert
dagegen. Also bitte nicht aufblenden!
Bei aller Tierliebe: Riskante Ausweichmanöver sollte man bei
plötzlich aufscheinendem Wild vermeiden. Geradeaus fahren,
stark abbremsen und das Lenkrad festhalten, so kann man böse
Unfälle durch Fahren in den Gegenverkehr oder Schleudern
verhindern. Ein Zusammenstoß mit Haarwild (Rehe, Wildschwein,
Fuchs) ist über die Teilkasko versichert.
Die Allianz rät: Nach einem Unfall auf jeden Fall sofort Polizei oder ein Forstamt verständigen, Beweise/Unfallspuren (Haarreste) sichern und bestätigen lassen sowie den Schaden unmittelbar bei der Versicherung melden.
Mein Tipp: Der Tierwelt kann man keine
Verkehrsregeln beibringen. Also sind wir Autofahrer gefordert, uns
selber, aber auch die Tiere zu schonen. In der Abend- und
Morgendämmerung besonders aufmerksam den Fahrbahnrand
beobachten, eher mehr Abstand zum Seitenstreifen halten und lieber
etwas langsamer durch wenig befahrene Waldgebiete rollen.


