Für alle Mitarbeiter eine Lösung gefunden

Nach dem verheerenden Großbrand kehrt in den Ülpenicher Nordeifelwerkstätten die Normalität zurück

Ülpenich (tor). Wilhelm Stein ist in diesen Tagen weniger als Geschäftsmann gefragt. Viel­mehr musste und muss sich der Geschäftsführer der Nord­eifelwerksstätten (NEW) als Krisenmanager betätigen. Denn nach dem verheerenden Großbrand, bei dem am Him­melfahrtstag weite Teile der Betriebsstätte im Zülpicher Ortsteil Ülpenich zerstört wur­den, war schnelles Han­deln wichtig. Denn es galt auf der einen Seite die weitere Beschäftigung der größtenteils behinderten Mitarbeiter si­cherzustellen und auf der an­deren Seite die Kundenaufträge nicht zu verlieren. 

Mit erstaunlicher Gelassenheit und Routine haben sich Wilhelm Stein und seine leitenden Mitarbeiter dieser Herkulesaufgabe gestellt - und das obwohl in Ülpenich, so Stein, "230 Arbeitsplätze für behinderte Menschen vernichtet wurden". Aber schon am Freitag, also einen Tag nach der Katastrophe, habe man damit begonnen, Konzepte zu entwickeln, um allen Beschäftigten kurzfristig wieder einen Arbeitsplatz bieten zu können, und am Montag wurde tatsächlich schon wieder in Ülpenich gearbeitet.

Freilich nicht in den Gebäuden, wo die Flammen zuvor gewütet hatten. Die rückwärtige Produktionshalle sowie die angrenzenden Bereiche inklusive einer weiteren Halle - alles zusammen ein rund 3000 Quadratmeter großer Bereich - wurden bei dem Brand völlig zerstört. Eine direkt angrenzende Halle wurde dabei ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen, sie dürfte aber wieder herzurichten sein. Der vordere Bereich wurde hingegen lediglich durch Ruß und Löschwasser beschädigt. Einzig die Küche und der Speisesaal blieben weitgehend unversehrt.

"Unser größtes Problem ist im Moment die Eigenversorgung", sagt Werkstattleiter Achim Sassmann. Die komplette Betriebstechnik ist im Keller des Komplexes untergebracht, und der wurde durch die Löscharbeiten komplett unter Wasser gesetzt. Er sei zwar schon einmal leer gepumpt worden, habe aber am nächsten Morgen wieder unter Wasser gestanden. Derzeit erfolgt die Stromversorgung deshalb über Notstromaggregate des Technischen Hilfswerkes.

Auf dem gesamten Werksgelände sind in den kommenden Wochen und Monaten umfangreiche Sanierungsmaßnahmen erforderlich, um den Standort wieder aufzubauen. Dass es einen Wiederaufbau geben wird, steht für die Beteiligten außer Frage. "Gebäude und Inventar waren angemessen versichert", sagt Wilhelm Stein, der den entstandenen Schaden auf dreieinhalb bis vier Millionen Euro schätzt.

Mit der Abtragung der zerstörten Gebäudeteile kann jedoch erst begonnen werden, wenn Polizei und Staatsanwaltschaft ihre Ermittlungen abgeschlossen haben. Denn die Brandursache ist immer noch nicht geklärt. "Wir gehen aber nicht von Brandstiftung aus", sagt NEW-Prokurist Wilfried Fiege.

Während der architektonische Wiederaufbau der Nordeifelwerkstätten in Ülpenich also noch dauern wird, ist die personelle Wiederherstellung bereits abgeschlossen. Ab kommenden Dienstag werden alle 230 Mitarbeiter wieder ihrer gewohnten Tätigkeit nachgehen können. "Dank vielfältiger Unterstützung von außen", wie Wilhelm Stein betont. Die Stadt Zülpich und umliegende Werkstätten haben kurzfristig mit Inventar ausgeholfen, denn auch das - Tische, Stühle und Maschinen - sind mit verbrannt. In der Rudolf-Diesel-Straße in Euskirchen wurden mit Unterstützung der Firma Miele, einem Kunden der NEW, 80 Arbeitsplätze in einer 1200 Quadratmeter großen Halle eingerichtet, wo bereits seit Mittwoch produziert wird.

Rund zehn Mitarbeiter konnten im Zülpicher Industriegebiet bei der Firma Vetter untergebracht werden, die ebenfalls zu den Auftraggebern der NEW zählt. Und an den NEW-Standorten in Kuchenheim und Zingsheim wurden insgesamt 45 Angestellte "geparkt". Der Rest arbeitet bis auf weiteres im nicht beschädigten Gebäudeteil in Ülpenich.

Dort wird Improvisationstalent gefragt sein, aber das ist zunächst einmal zweitrangig. "Das Wichtigste", so Josef C. Riehm, der Vorsitzendes des Verwaltungsrates der "NEW gGmbH", "ist, dass niemand zu Schaden gekommen ist. Alles andere kann man wieder beheben!"

Foto: Torsten Beulen
Weite Teile der Nordeifelwerkstätten in Ülpenich wurden bei dem Großbrand am Himmelfahrtstag komplett zerstört.
Letzte Änderung: Freitag, 10.06.2011 16:34 Uhr

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